Quallen gehören, wie Polypen (Korallen) und Blumentiere (Seeanemonen), zum Stamm der Nesseltiere. Ihre Gemeinsamkeit sind die Nesselkapseln in den Tentakeln. Bei Berührung schiesst aus diesen ein Gift, welches zur Betäubung der Beute dient, um sie anschliessend zu fressen. Beim Menschen brennt das Gift auf der Haut. Laut dem Ozeanographen Fabien Lombard des Meeresforschungsinstituts in Villefranche-sur-Mer in Frankreich seien die Tiere blind und stechen alles, was ihnen in den Weg kommt.  

Fast nur Wasser 

Es gibt zwei Arten von Quallen – die harmlosen Scheiben- oder Schirmquallen und die giftigen vierkantigen Würfelquallen. Grösstenteils bewegen sich die Tiere mit der Strömung und nur begrenzt durch die eigene Schwimmbewegung fort. Deshalb gehören sie zur Familie des Planktons. 

Quallen bestehen laut dem Wissenschaftsmagazin National  Geographic zu 99% aus Wasser. Ihr Körper besteht aus zwei Zellschichten, einer äusseren und einer inneren. Dazwischen liegt eine Gallertmasse, die als Stützschicht und Sauerstoffreservoir dient. 

Wenn ein Tier zu 99% aus Wasser besteht und kein Hirn hat, stellt sich die Frage, wie dieses Tier überhaupt überleben kann.? Ein wichtiger Bestandteil des Überlebens ist die Nahrungsaufnahme. Quallen ernähren sich hauptsächlich von Plankton und Fisch.  

Die Qualle greift ihre Opfer mit ihren Fangarmen und führt sie an einen Hohlraum an der inneren Zellschicht. Dort befindet sich der Magenraum. Spezielle Zellen beginnen dann, die Mahlzeit zu verdauen. Um die Nahrung aufnehmen zu können, muss die Qualle ganz nah an der Nahrungsquelle sein. 

Giftig und nicht zu spassen 

Obwohl harmlose Plankton und Fische zu den Hauptnahrungsmitteln der Quallen gehören, haben einige Quallenarten sehr starke Gifte, die auch für den Menschen gefährlich werden können. Grund dafür ist, dass die meisten Meeresbewohner unempfindlicher gegenüber dem Quallengift sind als wir. Planktonfressende Schirmquallen sind für uns Menschen meist unproblematisch. Die fischfressenden Würfelquallen sind jedoch auch für uns gefährlich und teilweise sogar tödlich. Die giftigste Qualle ist die australische Seewespe. 

«Denken» ohne Hirn 

Quallen besitzen kein Gehirn, welches Befehle aussenden kann. Sie verfügen jedoch über Sinneszellen, die bestimmte Reize wahrnehmen und eine automatische Reaktion auslösen können. Somit sind die Reaktionen einer Qualle automatische Abläufe. Quallen besitzen zudem Superzellen und können damit eigene Zellen wieder regenerieren. So können die Tiere ganze Fangarme und Teile ihres Schirms nachbilden. Trotzdem sind sie nicht unsterblich, nach vollendeter Fortpflanzung sterben sie. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei wenigen Monaten bis zu einem Jahr. 

Unkomplizierte Fortpflanzung 

Zur Fortpflanzung brauchen die Tiere keinen Geschlechtsverkehr. Treffen sich eine weibliche und eine männliche Qualle, platzen die Geschlechtszellen (Eizellen und Samenzellen) aus dem jeweiligen Tier heraus und treffen sich in der Mitte. Noch unkomplizierter hat es die zweigeschlechtliche Qualle, diese produziert beide Fortpflanzungszellen nacheinander und befruchtet sich selbst.  

Aus den befruchteten Eiern schlüpfen winzige Larven, die sich an einem Ort ansetzen und zu Polypen heranwachsen. Aus diesen bilden sich Mini-Quallen und wenn sie gross genug sind, spalten sie sich vom Polypen ab. 

Quallen besiedeln alle Ozeane – aber desto kälter das Wasser, desto weniger gibt es von ihnen. Die gefährlichen Würfelquallen mögen tropische Gewässer und tummeln sich im Indischen Ozean und im Pazifik. 

Feuerquallen-Plage im Mittelmeer 

Die meisten Touristen kennen die Feuerqualle aus ihrem Mittelmeerurlaub. Laut dem Meeresforschungsinstituts in Villefranche-sur-Mer gibt es eine zunehmende Feuerquallen-Plage an der Cote d`azur und den Küsten Korsikas. Es sei jedoch nicht abschliessend bewiesen, dass es insgesamt mehr Quallen gäbe. Trotzdem könne das vermehrte Vorkommen von Quallen als Zeichen der Überfischung gesehen werden, da es immer weniger ihrer natürlichen Fressfeinde – den Thunfischen und Meeresschildkröten – gibt. 

Feuerquallen-Stich 
Feuerquallen haben Fangarme, die bis zu einem Meter lang und im Wasser kaum sichtbar sind. An den Fangarmen sind verschiedene Nesselzellen mit Nesselkapseln. Werden die Nesselfäden berührt, wird innerhalb von einer hunderttausendstel Sekunde ein kleiner Giftpfeil abgefeuert. 

Wenn man von einer Feuerqualle gestochen wurde, hilft es, die Stelle mit Meerwasser abzuwaschen und mit Sand abzureiben. Laut dem Meeresforschungsinstitut in Villefranche-sur-mer sei es entgegen der allgemeinen Meinung kontraproduktiv, auf die Stelle zu urinieren. Urin könne die Wirkung des Giftes noch verstärken. 

Alleskönner in der Wissenschaft 

Quallen werden in verschiedenen Forschungsfeldern untersucht. Laut National Geographic ist ein Grossteil der 3000 bisher entdeckten Quallenarten biolumineszent. Das heisst, dass sie im Dunkeln leuchten. Wie beispielsweise die Lampen-Qualle aus der Tiefsee. Bei der Art «Aequorea victoria» wurde das dafür verantwortliche Gen namens «GFP» gefunden und isoliert. Es wird nun von Wissenschaftlern als Biomarker verwendet. Das «GFP» macht innere Prozesse sichtbar, so kann zum Beispiel beobachtet werden, wie der Körper Insulin produziert oder Muskeln aufbaut. 

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Hoffnungsvoller Zukunftsträger 

Das Forschungsprojekt «GoJelly» der Europäischen Union untersucht den Nutzen von Quallen in der Ernährung, Düngung und der Bekämpfung der Umweltverschmutzung. Laut dem Meeresforschungsinstitut in Villefranche-sur-Mer, können Quallen als Futter in der Fischzucht verwendet oder zur Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit genutzt werden.  

In Windeln und Tampons wird das Collagen der Tiere schon genutzt, um Feuchtigkeit zu binden. Das soll auch bei anderen Materialien funktionieren.  

Um die Population einzudämmen, raten Forscher, Quallen zu essen. In grossen Teilen Chinas und Japans stehen die Tiere schon längst auf dem Speiseplan. Sie werden wie Calamari frittiert, getrocknet oder in den Salat gegeben. Als Nahrungsmittel sind sie sehr gesund: weder Fett noch Cholesterin, dafür jede Menge Protein, Calcium und Magnesium. Laut der Uno könnten sie helfen, die zukünftigen Ernährungsprobleme der Weltbevölkerung abzuschwächen. 

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